Bernhard Peter
Praktische Aspekte: Parken und Parkplätze


Hier kommen zwei Dinge zusammen, die sich eigentlich nicht vertragen: Auf der einen Seite ist Japan ein Hochtechnologieland, in dem tolle Autos gebaut und ebenso gerne gefahren werden. Auf der anderen Seite gibt es eines in den dicht besiedelten Ebenen so gut wie gar nicht: Freier Platz zum Parken. In Deutschland hat man fast den Eindruck, nicht nur das Autofahren an sich wird als Menschenrecht empfunden, das noch vor der Meinungsfreiheit rangiert und verteidigt wird, sondern auch das Recht, immer und irgendwo einen Parkplatz zu finden. Höchst bedauerlich, daß es die entsprechenden Rechte noch nichts ins Grundgesetz geschafft haben. In Japan gibt es hingegen schlicht fast keinen Platz, Autos abzustellen. Natürlich kann man sich ein Auto kaufen, doch spätestens bei der Zulassung erfährt man, daß man einen Parkplatz nachweisen muß, der entweder auf dem eigenen Grundstück liegt oder zur Mietwohnung gehört oder dauerhaft angemietet ist etc. Deshalb hat in Tokyo auch nur jeder Vierte ein Auto. Und wenn man diese japanischen Parkplätze sieht, stockt einem als deutscher Tourist der Atem, welche Millimeterarbeit meist zur Nutzung ohne Kollateralschaden erforderlich ist, insbesondere, wenn das Auto etwas größer ist. Dauerparken am Straßenrand wie bei uns geht überhaupt nicht, zumal die "Bürgersteige", die von Fußgängern und Fahrradfahrern benutzten Bereiche, in den kleineren Wohnstraßen meist nicht erhöhte Trottoirs sind, sondern schmale Randzonen, die nur mittels eines weißen Striches von der Fahrbahn abgesetzt sind.

Eine kreative Möglichkeit ist das Ausweichen nach oben: Autos stapeln. Im Bild sind es nur zwei übereinander, aber es geht noch mehr: Vollautomatische Parksysteme haben in Japan Hochkonjunktur: Dabei wird das Auto auf eine Metallpalette geladen und vollautomatisch entweder in einem Parkturm oder einem entsprechenden Parkkeller untergebracht. Wegen der geringen Vorfläche vor der Einfahrt besitzen solche Systeme oft eine Drehbühne, so daß man voraus einparken kann und das Auto später nicht rückwärts, sondern wieder vorwärts zum Rausfahren erhält. Solche Drehbühnen gibt es auch vor Parkhochhäusern, in die man noch selber einfährt, vor bzw. hinter dem Aufzug.

Natürlich nützt das Auto nichts, wenn es nur auf dem eigenen Parkplatz steht. An möglichen Zielen gibt es immer wieder kleinere Parkplätze, in Baulücken, auf Brachflächen, oder eben Parkhäuser. Durch den Verfall der Grundstückspreise nach einer Immobilienblase entstanden auf unbebauten Flächen etliche privat bewirtschaftete Parkplätze, z. B. von Park 24, 24 h Times oder ähnlichen Unternehmen. Was knapp ist, wird teuer: Parkplätze kosten in Japan richtig Geld. Brötchentarif, die ersten 15 Minuten umsonst? Fehlanzeige. Im Beispiel kosten tagsüber 30 Minuten auf diesem Parkplatz 300 Yen (ca. 2,26 Euro), und das in Kyoto, in Tokyo wäre das noch mehr. Tagsüber vier Stunden hier parken? Macht 18 Euro. Nachts werden pro Stunde nur 100 Yen fällig, also von 22:00 bis 8:00. Wer also abends nach dem Dienst um 18:00 sein Auto hier abstellt und morgens um 8:00 wieder fährt, wird also 3400 Yen los, etwas über 25 Euro. Manchmal gibt es aber auch eine Obergrenze oder einen Ganztagesmaximaltarif. In den Rankings bezüglich durchschnittlicher Tagespreise fürs Parken kommt übrigens Tokyo gleich hinter London und vor Stockholm, Zürich und Sydney.

Und was hohe Kosten verursacht, wird gerne mal umgangen. Nicht daß man den Japanern zutraut, wie wir hier die Kosten eines Parkscheines gegen die Risiken und Kosten des Erwischtwerdens abzuwägen und ein Knöllchen wegen riskanten Parkens ohne Parkschein im Zweifelsfall sportlich zu akzeptieren, dazu ist das Land viel zu regelkonform. Aber am besten ist es, wenn man gar keine Gelegenheit bietet und die Parkplätze mit einer Wegfahrsperre ausrüstet. Wie so oft in Japan führen ganz klar durchgesetzte Regeln zu entspanntem Wohlverhalten. Dazu fährt automatisch ein Blech in Bodenhöhe hoch und schlägt gegen den Unterboden an. Zum Rangieren werden einem hier zwei Minuten ab erstmaligem Drüberfahren zugestanden. Waagerechte Balken verhindern ein unangemessen weites Zurückstoßen auf dem Parkplatz. Nur wenn man sein Auto durch Bezahlen auslöst, wird das Blech wieder heruntergeklappt. Wer es anders versuchen sollte, schabt sich eben sein Auto unten auf.

Falsch geparkte Fahrzeuge abseits kostenpflichtiger oder privater Parkplätze werden in der Regel in Japan von Ordnungshütern sehr schnell aufgespürt - der Versuch lohnt nicht, das Risiko ist exorbitant größer als in Deutschland, und auch die Folgekosten (ca. 10.000-35.000 Yen, und wenn man das nicht selbst bei der Polizei bezahlt und beim Abgeben des Wagens die Quittung vorlegt, regelt das die Autovermietung und schlägt für diesen Service noch einmal Gebühren in ähnlicher Größenordnung drauf, typischerweise 25.000 Yen). Wenn es irgendwo Parkuhren gibt, die nachts nicht laufen, sollte man eines beachten: Da kann man zwar spätabends oder nachts stehen, das wird toleriert. Doch ab drei Uhr morgens ist Schluß: Alle dann noch stehenden Autos werden dann abgeschleppt. 

Vor dem Hintergrund der Knappheit und der exorbitanten Kosten für das Parken hat sich das Unternehmen "Akippa" zum Vermittler freier Parkplätze entwickelt: Eine smartphonegestützte Sharing Economy erlaubt die Vermietung eigener, aber zeitweise ungenutzter Parkflächen, das funktioniert ähnlich wie "Uber" für Mitfahrer. Die Zukunft wird vermutlich auch eine Sharing Economy bringen, die nicht nur die Parkplätze, sondern auch die Autos dazu umfaßt.

Die Vorstellung, sich in Japans Städten einen Mietwagen für die Besichtigungen zu nehmen, ist völlig weltfremd. Japan hat ein so gut ausgebautes und häufig verkehrendes ÖPNV-System, daß es höchst unvernünftig wäre, sich den Streß der Parkplatzsuche (neben Orientierung, Stau und Linksverkehr) und die Kosten (Miete, Maut, Parkgebühren, Bußgelder) aufzuhalsen, wenn es viel entspannter und billiger anders geht.

Und was die wenigsten Reisenden erwarten: Auch bei gemieteten Fahrrädern herrscht Disziplin: Auch die kann man nicht einfach irgendwo abstellen, sondern nur an den dafür vorgesehenen Plätzen, sonst wird auch hier abgeschleppt. Es gibt übrigens mittlerweile auch für Fahrräder vollautomatische Parkgaragen.


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